Was gesagt werden musste

Günter Grass ist tot. Kein schlechtes Wort über Tote, heißt es. Also tue ich das, was er selbst seit je hätte tun sollen: schweigen.

Dieses Schweigen ist legitim, weil ja vieles schon gesagt wurde, und an einigem war ich selbst beteiligt.

So erschien in der Bahamas ein Text über „unseren“ Nobelpreisträger, noch bevor dieser sich ans Zwiebelhäuten machte. Kurz darauf gab es dann die Gelegenheit, den großartigen Yoram Kaniuk in einem Interview zu seinem fürchterlichen  Schriftstellerkollegen zu befragen. Und schließlich hieß es bei Grass nur noch „Weißnichtwo, weißnichtwie, weißnichtwann“, und dieser idealdeutschen Form der Aufarbeitung der Vergangenheit widmete sich ein Text in dem Sammelband „Deutschlandwunder„.

Als Grass seine letzten schlechte Reime verbrach, in denen er sich noch einmal als der neue alte Antisemit offenbarte, da gab es eher sachliche und eher unsachliche, dafür gereimte Kritik.

Das alles hätte ich gern verdrängt. Aber heute ist alles wieder taghell im Bewusstsein. Aus eben diesem Grund: Das ist kein guter Tag.